Kirchhellen, das Dorf der verschwundenen Fahrräder.
Foto: aureus GmbH
Eine Kolumne von Stina Schulzke
Fast wöchentlich kann man in den örtlichen Social-Media-Gruppen Beiträge von verschwundenen Fahrrädern finden. Der Fahrradklau in Kirchhellen entwickelte sich mit den Jahren zu einer echten Olympiadisziplin, die ganzjährig verläuft und in drei Kategorien einzuordnen ist.
Die erste Kategorie ist der „Betrunkene Blinde“ – eine typische Dorfkategorie. Und seien wir mal ehrlich… Einigen von uns ist es selbst schon passiert. Du fährst mit dem Fahrrad zu einem Fest, stellst es zu den anderen Fahrrädern und nach ein paar fröhlichen Stunden im Bierzelt machst du Dich zurück auf den Weg zu den Fährrädern. Du versuchst zwischen 36 geradezu identisch aussehenden schwarzen Fahrrädern dein Fahrrad zu finden. Irgendwann greift man dann nach dem vermeidlich richtigen Rad, nur um dann am nächsten Tag leicht verkatert festzustellen… Nein, das war es irgendwie doch nicht. An dem Punkt freundet man sich entweder mit seinem „neuen Fahrrad“ an oder man fährt zurück und schaut, dass man den Besitzer ausfindig macht.
Die zweite Kategorie ist der ersten ziemlich ähnlich und ich nenne sie „Ich leihe mir das nur mal kurz“, auch hier ist meist ein bisschen bis ganz viel Alkohol mit im Spiel. Die ungeschriebenen Gesetze dieser Fahrräder-Entführungen besagen allerdings, es am nächsten Tag wieder exakt an den Ort zurückzubringen, woher man es entwendet hat. Mit etwas Glück merkt der Besitzer nicht einmal die kurze Entwendung des Fahrrades. Zählt das noch zu Nachbarschafts-Freundlichkeit!?
Die dritte Kategorie ist „mit Glück findest du es morgen auf Ebay“, aber die Chancen stehen ehrlich gesagt nicht gut. Aber jetzt mal ehrlich… Was passiert eigentlich mit all den Fahrrädern, die geklaut werden!? Gefühlt jeder, mit dem ich mich im Dorf unterhalten habe, wurde schon einmal sein Fahrrad geklaut, das sind eine Menge Fahrräder! Und sie werden einem so lieblos entrissen!
Dabei wäre das doch eigentlich gar nicht nötig, denn das Einzige, was wir genauso oft auf Facebook lesen wie die Posts von geklauten Fahrrädern, sind die Posts von Fahrrädern, die in irgendeinem Busch, einer Grube, einer Pfütze gefunden wurden, wochenlang an Hauswänden lehnen und die Nachbarn verärgern. Herrenlose, vergessene Fahrräder, die hier mitten in Kirchhellen stehen und nichts zu tun haben, außer dem Dorf ein holländisches Flair zu verpassen.
Warum nehmen wir nicht all diese herrenlosen Räder und geben sie den Fahrraddieben!? Unsere geliebten Räder wären sicher, die Diebe haben Fahrräder, um damit weiß Gott was zu machen und die herrenlosen Räder bekommen ein zweites Leben.
Alternativ könnte man ja auch anfangen, diese Räder an einen Pfeiler zu schließen – für den Fahrraddieb, der „die Jagd“ braucht.
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Stina Schulzke
Kirchhellen, das Dorf der verschwundenen Fahrräder.
Eine Kolumne von Stina Schulzke
Fast wöchentlich kann man in den örtlichen Social-Media-Gruppen Beiträge von verschwundenen Fahrrädern finden. Der Fahrradklau in Kirchhellen entwickelte sich mit den Jahren zu einer echten Olympiadisziplin, die ganzjährig verläuft und in drei Kategorien einzuordnen ist.
Die erste Kategorie ist der „Betrunkene Blinde“ – eine typische Dorfkategorie. Und seien wir mal ehrlich… Einigen von uns ist es selbst schon passiert. Du fährst mit dem Fahrrad zu einem Fest, stellst es zu den anderen Fahrrädern und nach ein paar fröhlichen Stunden im Bierzelt machst du Dich zurück auf den Weg zu den Fährrädern. Du versuchst zwischen 36 geradezu identisch aussehenden schwarzen Fahrrädern dein Fahrrad zu finden. Irgendwann greift man dann nach dem vermeidlich richtigen Rad, nur um dann am nächsten Tag leicht verkatert festzustellen… Nein, das war es irgendwie doch nicht. An dem Punkt freundet man sich entweder mit seinem „neuen Fahrrad“ an oder man fährt zurück und schaut, dass man den Besitzer ausfindig macht.
Die zweite Kategorie ist der ersten ziemlich ähnlich und ich nenne sie „Ich leihe mir das nur mal kurz“, auch hier ist meist ein bisschen bis ganz viel Alkohol mit im Spiel. Die ungeschriebenen Gesetze dieser Fahrräder-Entführungen besagen allerdings, es am nächsten Tag wieder exakt an den Ort zurückzubringen, woher man es entwendet hat. Mit etwas Glück merkt der Besitzer nicht einmal die kurze Entwendung des Fahrrades. Zählt das noch zu Nachbarschafts-Freundlichkeit!?
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Warum nehmen wir nicht all diese herrenlosen Räder und geben sie den Fahrraddieben!? Unsere geliebten Räder wären sicher, die Diebe haben Fahrräder, um damit weiß Gott was zu machen und die herrenlosen Räder bekommen ein zweites Leben.
Alternativ könnte man ja auch anfangen, diese Räder an einen Pfeiler zu schließen – für den Fahrraddieb, der „die Jagd“ braucht.
Stina Schulzke
s.schulzke@aureus.de
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