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Stina Schulzke

Friseur, Bäcker oder doch eine Apotheke?

Friseur, Bäcker oder doch eine Apotheke?

Eine Kolumne von Stina Schulzke

Alle Augen des Dorfes sind auf den Baustoffmann gerichtet und gebannt wartet die Menge, welches Geschäft seinen Platz einnehmen wird. Die Statistik spricht für sich und die Wetten laufen bereits. Wird es ein Bäcker, eine Apotheke oder doch ein Friseur?

Die Spannung ist kaum auszuhalten… Ich habe die heimliche Theorie, dass ein eigener Friseursalon in Kirchhellen das deutsche Äquivalent zu einer Frühstückspension in den Hamptons oder einem Restaurant auf Mallorca ist. Wobei ein Restaurant auf Mallorca zu führen, eigentlich schon ziemlich deutsch ist.

Nicht, dass ich etwas gegen die derzeitig acht Friseure, drei Apotheken und fünf Bäcker hätte, die wir im Dorfkern haben, aber nennt mich verrückt… Wenn ich einen Wunsch freihätte, würde ich mir so etwas wie einen Medimax wünschen! So etwas fehlt einfach im Dorf.

Ich sage ja nicht, das dort eine Shisha-Bar rein soll, jedoch fände ich etwas Abwechslung durchaus erfrischend!

Und warum eigentlich kein Starbucks!? Wir haben hier zwei weiterführende Schulen und niemand kauft sich in Kirchhellen ein 140qm großes Einfamilien-Haus, um darin seine Topfpflanzen groß zu ziehen! Wir haben so viele Kinder und Jugendliche hier, warum geben wir ihnen nicht einmal etwas, das sie auf ihren Instagram-Seiten posten können!? #Dorflebenmitstarbucks

Wobei der Baustoffmann wirklich in Kirchhellen fehlen wird! Ich zum Beispiel hatte wirklich gehofft, dass wenn ich es je schaffen sollte, mir in Kirchhellen ein Haus zu leisten, um meine Topfpflanzen dort groß zu ziehen, er da wäre, wenn ich einen Schraubenzieher bräuchte… Den ich definitiv bräuchte, denn meine Werkzeugkiste besteht bis hier hin aus zwei Rollen Panzertape, drei Nägeln und einem Schuh… Ihr wisst schon… Um die Nägel irgendwo rein zuschlagen… Wenn ich recht darüber nachdenke, sollte ich vielleicht mit einem Hammer statt eines Schraubenziehers anfangen, aber der Schuh hat bisher so gute Dienste geleistet… Warum also ein funktionierendes System ändern? (Und genau deswegen werde ich nur Topfpflanzen großziehen)

Der Baustoffmann war einer der ersten Läden, die ich besucht habe, als ich wieder ins Dorf fahren konnte! Ich liebe es mir spitze und gefährliche Dinge zu kaufen, die ich mir dann fluchend in die Hand jagen kann, bei dem Versuch etwas, das 80 Euro im Laden kostet, für 120 Euro selbst nachzubauen, denn… selber machen spart ja Geld! Wer ihm auch immer nachfolgen wird, muss also in große Fußstapfen treten.

Ich werde dem Baustoffmann meine letzte Ehre erweisen, indem ich mir eine Dauerwelle in dem Friseursalon machen lassen werde, der seinen Platz einnimmt… oder ein Brötchen dort kaufe… oder eine Packung Ibuprofen 200, die ich brauchen werde, um die Schmerzen meiner wund geschlagenen Finger zu lindern, die ich mit dem Schuh verprügelt habe, weil der Baustoffmann nicht mehr da ist, um mir einen Hammer zu verkaufen.

Stina Schulzke

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