Zehn Jahre im Amt: Bottroper Baudezernent zieht Bilanz
Wenigstens einmal im Jahr wird das Ehrenmal auf dem Platz der alten Pfarrkirche zum Mittelpunkt der Kirchhellener Schützen. Und 2026 jährt sich zum 70. Mal der Anstoß für den Wiederaufbau eines Ehrenmals, das nicht nur an die Gefallenen des Ersten Weltkriegs erinnern sollte. Auch die Toten und Vermissten des Zweiten Weltkriegs sollten einen würdigen Platz des Gedenkens erhalten.
Zwischen 1939 und 1945 fielen 258 Kirchhellener. 124 weitere galten als vermisst. Vom 24. bis zum 28. März 1945 lag Kirchhellen in der Hauptkampflinie. Das Dorf war ein strategisch wichtiges Einfallstor zum Ruhrgebiet. Viele der Gefallenen wurden Opfer des Luftkrieges oder dem Einmarsch der alliierten Truppen.
Viele Einzelheiten sind in einer Urkunde festgehalten, die bei der Einweihung des neuen Ehrenmals eingemauert wurde. Sein Standort war schon vor dem Krieg ein geschichtsträchtiger Ort. Der „Hügel“ war einst der Platz der alten Pfarrkirche. Jahrhundertelang wurde sie immer wieder aufgebaut, bis sie 1917 in Flammen stand und nicht mehr gerettet werden konnte.
Die verbliebenen Trümmer der Ruine wurden 1932 abgetragen. Auf dem Kirchplatz entstand ein Ehrenmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs. Doch der nächste Krieg ließ nicht lange auf sich warten. 1943 zerstörte eine Luftmine den Bereich rund um den alten Kirchplatz und auch das Ehrenmal blieb davon nicht verschont.
Im Februar 1956 war es schließlich Zeit, nach Jahren der Trauer und Zerstörung wieder nach vorne zu blicken. Der Kirchhellener Bauunternehmer Bernhard Brauckmann lud zu einer Vorbesprechung ein. Schon an diesem Abend spendeten die Bürger 1.500 D-Mark. Damit war der Grundstein für die Finanzierung gelegt. Es folgten Verhandlungen, Besprechungen und ein Ideenwettbewerb.
Ein Entwurf fand in der Gemeinde besonders viele Anhänger, doch die Bauaufsichtsbehörde konnte ihre Zustimmung nicht geben. In Zusammenarbeit der Architekten, unter Leitung von Franz Schulte-Löbbe, mit der Baubehörde und dem Denkmalausschuss entstand schließlich die Gestaltung, die noch heute zu sehen ist: drei Tafeln erinnern an die Gefallenen des Ersten Weltkriegs, neun an die des Zweiten Weltkriegs.
Hier sollte zum einen Ort des Gedenkens entstehen, doch aus den Erläuterungen der Architekten geht hervor, dass gerade die Gestaltung des Platzes die Menschen aus Kirchhellen dazu einladen sollte, innezuhalten und von der Aufenthaltsqualität zu profitieren. Bänke laden in den Grünanlagen zum Verweilen ein.
Das Ehrenmal war ein Gemeinschaftsakt. Freiwillige halfen beim Abriss und bei der Neugestaltung des Platzes, auf dem neben dem Denkmal ein Park und eine Sitzgruppe entstanden. 1959 waren noch rund 1.500 D-Mark offen. Der Ehrenmalausschuss kündigte daraufhin eine „Haussammlung zur Deckung der Restkosten bei den Mitbürgern“ an.
Bernhard Brauckmann war nicht nur der, der die Maurerarbeiten übernahm, nein, er war auch der damals amtierende Schützenkönig, der seit 1952 diesen Posten innehatte. Er veranlasste, dass das nächste Schützenfest nur dann gefeiert wird, wenn das Ehrenmal bis dahin auch fertiggestellt ist. Am 31. August 1957 war es dann soweit: Die Gedenkstunde am Ehrenmal konnte abgehalten und das langersehnte Schützenfest nach fünf Jahren Pause wieder gefeiert werden.
Bis heute gehört das Gedenken fest dazu. Am Volkstrauertag versammelt sich jährlich die Schützen- und Brezelgesellschaft am Ehrenmal, um der Opfer der beiden Weltkriege sowie der Opfer von Krieg, Gewalt und Terror weltweit zu gedenken. Und auch beim Schützenfest kehrt die Geschichte an ihren Ausgangspunkt zurück: Am 5. September um 18.15 Uhr wird die dreitägige Feier traditionell am Ehrenmal eröffnet.