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Aileen Kurkowiak

„Hallo Papa, mein Handy ist kaputt“ Betrugsprävention in Kirchhellen

Ein Senior hält ein Handy
Noch immer schaffen es Betrüger regelmäßig, besonders ältere Menschen am Telefon zu täuschen. Foto: Pixabay_congerdesign

Kriminalhauptkommissar Frank Böttcher informierte beim Söller-Nachmittag über verschiedene Betrugsmaschen und verrät, wie sich Senioren schützen können.

 „Hallo Papa, mein Handy ist kaputt. Das ist jetzt meine neue Nummer.“ Harmlos klingt die Nachricht zunächst. Doch wenn kurz darauf die Bitte folgt, schnell Geld zu überweisen, steckt dahinter meist kein Familienmitglied, sondern ein Betrüger. Beim Söller-Nachmittag der Kolpingsfamilie zeigte Kriminalhauptkommissar Frank Böttcher vom Polizeipräsidium Recklinghausen, wie dreist und wandelbar die Täter inzwischen vorgehen.

Der sogenannte WhatsApp-Betrug ist dabei längst ein bekanntes Phänomen. Die Täter geben sich als Sohn, Tochter oder Enkel aus, erklären die neue Telefonnummer und bitten wenig später um Geld. Die Schadenssummen liegen laut Böttcher häufig zwischen 1.000 und 5.000 Euro. Auch wenn es sich dabei nicht um den klassischen „Seniorenbetrug“ handelt, nimmt der Polizeibeamte gerade ältere Menschen bei seinen Vorträgen in die Pflicht: Sie sollen ihr Wissen weitergeben und das Thema in der Familie präsent halten.

Ein Klassiker, der zieht

Besonders viel Geld verlieren Opfer allerdings beim Schockanruf. Das Prinzip ist immer ähnlich: Eine dramatische Geschichte soll den Gegenüber unter Druck setzen. Mal geht es um eine dringend notwendige Operation, mal um einen schweren Verkehrsunfall. In anderen Fällen behaupten die Anrufer, ein Angehöriger habe einen tödlichen Unfall verursacht und müsse nun gegen Zahlung einer Kaution freikommen.

Erst vergangene Woche hatten Betrüger mit der Masche Erfolg, woraufhin eine Seniorin Bargeld und Schmuck übergab. Das Geld werde für vermeintlich dringende Medikamente für die angeblich schwerkranke Tochter gebraucht. Entscheidend sei immer der Zeitdruck, erklärt Böttcher: Die Betroffenen sollen gar nicht erst Gelegenheit bekommen, in Ruhe nachzudenken.

Hinzu kommt, dass die Täter ihre Opfer emotional unter Druck setzen. Im Hintergrund ist beispielsweise eine weinende Stimme zu hören, die als Tochter oder Enkel ausgegeben wird. Durch moderne Technik lassen sich Stimmen zudem immer leichter imitieren.

Nicht einwickeln lassen

Böttchers wichtigste Regel lautet deshalb: „Einfach auflegen.“ Denn je länger man sich die Geschichte anhöre, desto größer werde die Gefahr, dass man sie irgendwann glaube. Wer unsicher ist, sollte eine zweite Person anrufen und die Situation schildern, bevor Geld überwiesen, abgehoben oder an einen Fremden übergeben wird.

Auch an der Haustür gilt: Misstrauisch bleiben. Ob angebliche Mitarbeiter eines Telekommunikationsunternehmens, Handwerker oder andere vermeintliche Dienstleister – die Tür müsse nicht geöffnet werden. „Die Tür wird nie geöffnet“, sagt Böttcher. „Das Gespräch kann durch die geschlossene Tür geführt werden. Dabei darf man ruhig einmal „unhöflich“ sein. Gerade ältere Generationen sind dazu erzogen worden, hilfsbereit und höflich zu sein. Genau das machten sich Betrüger zunutze.“

Auch angebliche Bankmitarbeiter sind eine bekannte Masche. „Eine Bank wird niemals telefonisch nach der PIN einer Karte fragen“, betont der Polizist. Wer einen solchen Anruf bekommt, sollte auflegen und die Bank selbst über eine bekannte Telefonnummer kontaktieren.

Simpel, aber erfolgreich

Zum Schutz vor Kriminalität gehört für den Kriminalhauptkommissar außerdem der Blick auf eine weniger spektakuläre, aber häufige Straftat: den Taschendiebstahl. Beim Einkauf sollten Handtaschen nicht unbeaufsichtigt im Einkaufswagen liegen. Geldbörse und Handy gehören möglichst gar nicht erst in die Tasche, wenn diese im Einkaufswagen steht. Auch am Rollator oder im Gepäckträgerkorb sollten Wertsachen gut gesichert sein.

Häufig nutzen Täter einen Moment der Ablenkung, um zuzugreifen. Frank Böttcher hat einen einfachen Rat parat: Bauchgefühl ernst nehmen, nicht unter Druck setzen lassen und im Zweifel einfach auflegen.

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